4. Europa-Matinée in Visbek ein voller Erfolg

Von Dr. Helmut Gross

Fast 130 Teilnehmer sind kürzlich beim 4. Europa-Matinée zur Würdigung des gemeinsamen Europa im Ratssaal der Gemeinde Visbek zusammengekommen, zu der der Kreisverband Vechta der überparteiliche Europa-Union gemeinsam mit der Gemeinde Visbek eingeladen hatte. Sie fand am 17. Juni 2018 statt – durch einen Zufall im Kalender also an dem Tag, an dem die alte Bundesrepublik im Gedenken an den Volksaufstand des 17. Juni 1953 in Ostberlin und der DDR ihren Nationalfeiertag hatte. Sowohl Bürgermeister Gerd Meyer wie auch Wolfgang Zapfe als Vorsitzender der Europa-Union gedachten in ihrer Begrüßung des damaligen Aufstands und seiner Opfer. Gleichzeitig betonten sie, wie wichtig das vereinte Europa auch jetzt und künftig ist. Es wuchs ab 1957 über eine Wirtschaftsgemeinschaft und eine Atombehörde ab 1992 zu der auch politischen Europäischen Union zusammen, mit 28 Mitgliedsländern seit 2013. 2019 wird Großbritannien sie vermutlich wieder verlassen; ab 2025 wird die sukzessive Aufnahme der restlichen sechs Staaten auf dem Balkan angestrebt.

Musikalisch umrahmt vom Visbeker Duo Dr. Jutta Heyen (Klavier) und Dr. Wer-ner Loock (Cello) verteilte Herr Zapfe zunächst die ersten, zweiten und dritten Preise aus dem Wettbewerb „Wie stelle ich mir Europa vor?“ an Schülerinnen und Schüler aus den Grundschulen Erlte/Hagstedt, Rechterfeld und Visbek. Sie hatten die schönsten Bilder bzw. in einem Fall ein ganz in Blau gehaltenes plastisches Arrangement gefertigt. Zwei der Schulleiter und einige der Kinder gaben dazu Erläuterungen. Politischer Tenor dabei: „Es soll niemand ausgegrenzt werden.“ Danach sang der Chor Chorage mit Klavierbegleitung von Finn Jäger.

Den Festvortrag hielt Dr. Susanne Muhle, gebürtig aus Rechterfeld und Abiturientin am Gymnasium Antonianum 1999. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Berlin. Ihr Thema: „Alles längst Geschichte? Der Kalte Krieg als Teil der europäischen Geschichte und Gegenwart“. Profiliert verstand sie es, die großen Linien des Kalten Krieges zwischen der westlichen und der kommunistischen Welt der Nachkriegszeit aufzuzeigen sowie anhand von Fotos die Älteren daran zu er-innern und die Jüngeren darüber zu informieren. Ihr dazu eingeblendetes Anfangsmotto wird bis auf den englischen Staatsphilosophen und Politiker Edmund Burke (1729-1797) zurückgeführt. Frei übersetzt lautet es: „Diejenigen, die die Geschichte nicht kennen und die nicht aus ihr lernen wollen, werden früher gemachte Fehler wiederholen. Diejenigen aber, die die Geschichte und die in ihr gemachten Fehler kennen, werden verzweifelt daneben stehen, während andere sie wiederholen.“

Die Referentin zeigte Fotos u. a. von einem Rosinenbomber bei der Luftbrücke nach Westberlin 1948/49, vom Aufstand des 17. Juni 1953, vom Mauerbau 1961, von der 28-jährigen Teilung sowie dann 1989 von der Grenzöffnung und ab 1990 nach der Wiedervereinigung vom Mauerabbau. Selbst bereitet sie der-zeit eine multiperspektivische Ausstellung mit Befragung auch von Ausländern zum früheren alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie vor.

Der Kalte Krieg entstand, so die Referentin, als Josef Stalin bei der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 die Vereinbarungen auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 verwarf und die Teilung Europas, Deutschlands und Österreichs durchsetzte, worauf Harry S. Truman ab 1947 durch Eindämmungspolitik da-gegen hielt und dazu auch mit Diktatoren in Europa und anderswo zusammen-arbeitete (1). Gegenwärtig erleben wir nun durch die Politik der Präsidenten Putin und Trump ein Wiederaufleben von einer Angst in der Art, wie sie auch damals herrschte. Nach der Kubakrise von 1962 baute man in Westberlin daher einige strahlensichere Luftschutzbunker, in denen bei einem heißen Krieg bis zu 25.000 Menschen hätten unterkommen können. Die heutigen politischen Gegnerschaften werden nicht mehr durch Blockdenken, sondern durch Nationalismen und Neonationalismen genährt. Anhand des Vergiftungsfalles von Sergei Skripal und seiner Tochter Julia vom 04. März 2018 in England zeigte die Referentin auf, wie weit der Arm des russischen Geheimdienstdiensts auch heutzutage reicht. Anhand eines Stützpunkts in Nordnorwegen und einer Marinefunkstelle in Rhauderfehn im Landkreis Leer stellte sie dar, wie sich die Nato weiterhin dagegen schützt.

Mit lang anhaltendem Beifall bedankten sich die Zuhörer. Zum Abschluss intonierte das Instrumentalduo Heyen/Loock die Europa-Hymne.

 

(1) Von 1948-1952 leiteten die USA mit dem Marshallplan den Wiederaufbau in Westeuropa ein und halfen den USA zur Wiederumstellung von der Kriegs- zur Normalwirtschaft. Auch das kommunistische Jugoslawien konnte nach dem 1948 erfolgten Bruch Titos mit Stalin von Mitteln daraus profitieren. Es gehörte dann weder zu Ost noch zu West, sondern wurde gemeinsam mit Indien und Ägypten zu den Vorreitern der Blockfreien-Bewegung. (Zusatz von H. G.)