Vechta und Visbek sind mit Projekten zum Wohnen im Alter bundesweit vorne dabei

Quartiersmanagement
Foto (Stadt Vechta)

Mit dem Projekt „Quartiersmanagement im Nordkreis Vechta“ sind die Stadt Vechta und die Gemeinde Visbek, was die Entwicklung von Konzepten für das Wohnen im Alter betrifft, bundesweit ganz vorne dabei. Zu dieser Erkenntnis kommt die Gruppe SelbstgestALTER der Sozialstation Nordkreis zum Abschluss des Projektes, das sie gemeinsam mit den beiden Kommunen und dem Seniorendienstleister pro vita ins Leben gerufen hatte. Janine Devers und Sarah Bramlage erklärten bei einem Pressetermin, im aktuellen Altenbericht der Bundesregierung werde der Aufbau und die Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften gefordert, um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu bewältigen. Im Nordkreis-Projekt haben die Selbstgestalter gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren aus Vechta und Visbek exakt diesen Ansatz verfolgt. In beiden Kommunen wurden daraus Folgeprojekte entwickelt, an denen sich Bürgerinnen und Bürger weiterhin aktiv beteiligen können.

„Wir möchten in der Gemeinde Visbek und der Stadt Vechta dazu beitragen, dass die Menschen sicher und selbstständig zu Hause alt werden können“, erklärten die Projektleiterinnen. Um die Bürger an diesem Vorhaben teilhaben zu lassen, wurde in den vergangenen anderthalb Jahren das Projekt „Quartiersmanagement im Nordkreis Vechta – Bedarfsanalyse“ durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 840 Personen aufgesucht, von denen 346 Personen an der persönlichen Befragung teilnahmen – eine Quote von 41 Prozent. „Das war nur möglich, weil die Selbstgestalter die Menschen direkt aufgesucht haben. Sie haben so Informationen aus erster Hand erhalten“, lobte Visbeks Bürgermeister Gerd Meyer. Das Projekt habe Modellcharakter. Vechtas Bürgermeister Helmut Gels sagte: „Ich war von Anfang an begeistert von der großartigen Beteiligung. Die Menschen haben erkannt, dass es eine Chance für sie ist, das Leben selbst zu gestalten und die eigene Lebensqualität dauerhaft zu verbessern.“ Mit dem Projekt sei ein Feuer bei den Beteiligten entfacht worden, das nach wie vor brenne und von allen in Gang gehalten werden müsse, sagte Gels. Die Bürgerinnen und Bürger hatten von Beginn an die Möglichkeit genutzt, sich für mehr Miteinander, gegenseitige Unterstützung und Partizipation im Rahmen von neun Themennachmittagen einzusetzen.

Zum Start des Projekts hatten die SelbstgestALTER mit den Bürgermeistern aus Visbek und Vechta die aktuelle demografische Situation des Nordkreises Vechta besprochen. „Auch wenn unsere Region eine Sonderstellung im bundesweiten Vergleich hat, so sind auch hier die zukünftigen Bevölkerungsentwicklungen nicht zu leugnen oder zu verharmlosen“, erklären sie. Miteinander wurde dies beschlossen: Demografie ist eine Gemeinschaftsaufgabe und sowohl die Kommune als auch die örtlichen Sozialdienstleister müssen den Wandel aktiv mitgestalten; nur durch Vernetzung und die Definition gemeinsamer Ziele und Ideen lässt sich Altenplanung zukunftssicher gestalten.

In der Quartiersarbeit wurden zunächst die verschiedenen Wohngegenden betrachtet und besondere Sozial- und Aktionsräume identifiziert. Für die Stadt Vechta wurde die Wohngegend „rund um den Lattweg“ als städtisches Quartier ausgewählt. In der Gemeinde Visbek einigte man sich auf die Höge und die Bauerschaft Astrup als ländliche Quartiere. Ein wichtiger Schritt war die Bürgerbeteiligung. Mithilfe einer persönlichen Befragung wurden die Bürger einbezogen und nach Ihren Wünschen und Vorstellungen befragt.

Auf den Ergebnispräsentationen wurden die Ergebnisse aus der Befragung vorgestellt und diskutiert. Ziel war die Sensibilisierung, Motivation und Aktivierung der Bevölkerung. Es sollte deutlich werden, „dass wir eine gemeinsame Verantwortung zur Gestaltung unseres Lebens in unserer Kommune haben. Jeder kann und soll seinen Teil dazu beitragen“, erklärte Projektgruppe bei der Vorstellung des Abschlussberichts.

Die Themennachmittage innerhalb des Projekts wurden im Sinne der Regionalisierung und Dezentralisierung ganz nah an den Menschen durchgeführt. In Visbek wurde das Dorfhaus Astrup und das Haus der Familie, in Vechta das Pfarrheim Maria Frieden als Treffpunkt ausgewählt. „Die älteren Menschen vor Ort sollen informiert sein und an der kommunalen Altenplanung partizipieren und mitwirken“, erläuterte die Projektgruppe: „Es müssen Gelegenheitsstrukturen geschaffen und gepflegt werden.“

Es sei stets ein Anliegen gewesen, bei allen Vorhaben die Lebenswelt der Menschen zu beachten. „Uns geht es nicht um abstrakte Konzepte und übergeordnete Politik, sondern um die Dinge, die den Alltag der Menschen betreffen“, sagten Janine Devers und Sarah Bramlage. So wurden mit den Interessierten unter anderem der Moobil+-Bus auf seine Tauglichkeit hin geprüft und neue Medien ausprobiert – im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Mit dem Ziel, das Wir-Gefühl in Nachbarschaften zu stärken, entwickelten die beteiligten Senioren dazu gemeinsame Leitlinien. Sowohl an der Pfarrkirche Maria Frieden als auch bei der Elisabeth-Schule werden die Ergebnisse demnächst zu sehen sein.

„Im gesamten Projektverlauf wurde deutlich, dass sich ein neues Verständnis von Daseinsvorsorge entwickelt – weg von rein infrastrukturellen Gegebenheiten hin zu sozialraumorientierten Konzepten“, erklärten die SelbstgestALTER. Um dies weiter zu fördern, wird in der Gemeinde Visbek in den kommenden zwei Jahren im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Innovation – Daseinsvorsorge“ ein Anschlussprojekt durchgeführt. Die Quartiersarbeit soll dadurch intensiviert werden und die Partizipation der Bürger gestärkt.

Eine zukunftsfähige Altenplanung sei nur realisierbar, wenn alle Akteure zusammenarbeiten und jeder seine Rolle übernehme, sagten die Projekt-Verantwortlichen. Die in Vechta begonnene Kooperation der Sozialdienstleister zum Wohle der alternden Gesellschaft wird ebenfalls durch das Folgeprojekt „Wir für uns! Fachstelle Nachbarschaft“ verstetigt. Der Aufbau der Fachstelle Nachbarschaft soll die verschiedenen Akteure vor Ort in den kommenden zwei Jahren weiter vernetzen und die Aufmerksamkeit auf die Bedarfe der Vechtaer Senioren lenken.

In Visbek und Vechta wurde mit dem Aufbau zukunftsfähiger Gemeinschaften wurde begonnen – ganz im Sinne des Altenberichts der Bundesregierung. Nun liegt es an allen Kooperationspartnern, Sorge und Mitverantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und zu deren Sicherung beizutragen. Janine Devers und Sarah Bramlage sagen: „Wir sind zwar am Ende des Projektes, aber erst am Anfang eines großen Vorhabens.“

Text: Sarah Bramlage (selbstgestALTER)/Volker Kläne (Stadt Vechta)