5. Tag der Archäologie in Visbek: Grabungen, Restaurierung und geplante Ausstellung

Archaeologie
(v.l.n.r) Bürgermeister Gerd Meyer, Andrea Tröller-Reimer, Manfred Gelhaus, Andreas Thümmel M.A., Dr. Beate Bollmann, Andreas Hummel M.A., Dipl.- Rest. Christiane Matz, Dr. Jörg Eckert, Claudia Maria Melisch M.A. und Gerbert Schmedes

Archäologe Dr. Jörg Eckert würdigte Reinhard Selling (+2012) für beispielhafte Tätigkeit
Zum 5. „Tag der Archäologie“ in Visbek begrüßten Bürgermeister Gerd Meyer und Manfred Gelhaus, Vorsitzender des Heimatvereins, am Sonntagnachmittag (13. November 2016) über 50 interessierte Teilnehmer, vier Referentinnen und zwei Referenten im Landgasthof Engelmannsbäke. „Hier lebten schon vor 5000 Jahren Menschen; jungsteinzeitliche Großsteingräber in Engelmannsbäke und Funde bei archäologischen Grabungen in Endel und Visbek („Uhlenkamp“ belegen eindrucksvoll: die Gemeinde Visbek ist archäologisch wertvoll und geschichtsreich“, betonte Meyer. Moderator Manfred Gelhaus stellte die Referentinnen und Referenten vor, die anschließend informative Kurzreferate hielten und Fragen der Teilnehmer beantworteten.

Archäologe Dr. Jörg Eckert aus Oldenburg würdigte den vorbildlichen Einsatz von Apotheker Reinhard Selling, Visbek (1942 -2012). Die regionale archäologische Forschung verdanke dem Laien-Archäologen zahlreiche Funde in der Gemeinde Visbek und die Sammlung „Steinzeit in Visbek“ (Vitrine). Der frühere Bezirksarchäologe: „Auch durch Sellings Beiträge wurde Visbek ein archäologisches Zentrum“.

Andreas Thümmel, M.A. (denkmal3D) aus Vechta berichtete über Ergebnisse der letzten Ausgrabungen am Uhlenkamp. Im Mai 2016 wurden bei einer fünftägigen Prospektion 12.600 Quadratmeter in einem drei Hektar großen Baugebiet freigelegt und danach an 35 Tagen Ausgrabungen durchgeführt. Dort wurden 498 Profile angelegt und 632 Befunde aufgezeichnet. Das Grabungsteam fand neben neolithischen Gräbern, Hausgrundrisse aus der Eisenzeit (8. - 1. Jh. vor Chr.) und sechs „Langhäuser“. In Pfostengruben  wurden Vorrats- gefäße mit Randverzierungen, Keramik und Spindeln gefunden. Bei einem Flachgrab (ca. 2.800 -2.300 v. Chr.) wurden zwei Becher ausgegraben.  Ausgewählte Fundstücke vom  Uhlenkamp präsentierte denkmal3D im Saal.

Dipl. Restauratorin Christiane Matz aus Kalkriese und Andrea Tröller-Reimer aus Hannover, Nds. Landesamt für Denkmalpflege, berichteten über die Restaurierung  der zwei Visbeker  Saxe (Langschwert). Nach der Blockbergung der Schwert-Relikte  am Uhlenkamp erfolgte eine aufwändige CT-Untersuchung mit neuen Erkenntnissen. Vom Heimatverein wurden Replikate des „Visbeker Saxes“ in Auftrag gegeben.

Dr. Beate Bollmann aus Oldenburg referierte über die geplante Ausstellung „Archäologie und Geschichte als Teil unserer Identität“. Das Informationszentrum wird im ehemaligen  „Haus Post“ eingerichtet. Von einer Projektgruppe (acht Personen aus der Gemeinde) und der  Museumsberaterin wird aktuell ein Konzept erarbeitet. Das Zentrum soll als außerschulischer Lernort für Kinder und Jugendliche genutzt werden. Gezeigt werden könnte, welche Anknüpfungsversuche es zwischen Vergangenheit und Gegenwart in Visbek gibt. Es soll  Themeninseln geben: Grabkultur und Glaube; Hausbau von der Trichterbecherkultur bis zum Fachwerkbau; Haus und Handwerk; Was erkennen Historiker in alten Urkunden und Karten?

Fazit der Ausstellungsmacherin Dr. Beate Bollmann: „ das Visbeker Modellprojekt steht für einen veränderten Umgang mit archäologischen Ausgrabungen und von ehrenamtlicher Mitwirkung.“

Claudia Maria Melisch M.A. (denkmal3D) berichtete im letzten Referat über eine Großgrabung an der Grenze zu den Niederlanden (bei Nordhorn). Auch der "5. Tag der Archäologie" in Visbek war sehr informativ; Bürgermeister Gerd Meyer beendete diesen mit seinen Dankesworten an allen beteiligten Referenten und Organisatoren.

 

Text und Fotos: Bernd Koopmeiners


 
Archaeologie zwei
denkmal3D präsentierte Fundstücke aus der letzten Grabung am Visbeker Uhlenkamp