Realisierung des Archäologisch-historischen Informationszentrums nimmt Konturen an

Gruppe
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Archäologie (von links) Gerd Meyer, Gerbert Schmedes, Agnes Hake, Manfred Gelhaus, Dr. Beate Bollmann und Alfred Kuhlmann. Es fehlen Dierk Weckmann und Ulrich Hogeback.

Visbek entdeckt seine (Vor-)Geschichte – und alle Visbekerinnen und Visbeker sowie Besucher aus Nah und Fern können demnächst daran teilhaben. Die Gemeinde ist in ihren Bemühungen um die Errichtung eines Archäologisch-historischen Informationszentrums im früheren Haus Post an der Rechterfelder Straße einen großen Schritt weiter gekommen. Bei einem Treffen der Arbeitsgruppe (AG) Archäologie im Rathaus teilte Bürgermeister Gerd Meyer jetzt mit, dass die Leader-Region Vechta durch die lokale Aktionsgruppe (LAG) das Visbeker Projekt zur Förderung beschlossen hat. „Ich bin zuversichtlich, dass das Amt für Regionale Landesentwicklung unseren Antrag, den wir umgehend stellen werden, positiv bescheiden wird“, so der Bürgermeister. Dann könnten  rund 60.000 Euro aus EU-Mitteln dafür eingesetzt werden. Zusammen mit Dorferneuerungsmitteln in Höhe von 113.000 Euro für die Außensanierung und 120.000 Euro für den Innenausbau würde der Gemeinde Visbek für das Haus Post und das Informationszentrum knapp 300.000 Euro Gesamtförderung zur Verfügung stehen, freut sich auch Hauptamtsleiter Alfred Kuhlmann.

Mit dem Informationszentrum, dessen Konzeption die achtköpfige AG Archäologie unter Federführung der Museumsberaterin Dr. Beate Bollmann, Oldenburg, erarbeitet hat, werde die Gemeinde Visbek ein „Alleinstellungsmerkmal“ bekommen, so Meyer. Das Projekt sei bei seiner Vorstellung allseits sehr begrüßt worden, etwa von der Oldenburgischen Landschaft, vom Museumsdorf Cloppenburg, von der Bezirksarchäologie Weser-Ems mit Sitz in Oldenburg oder auch vom Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg.

Bollmann weist auf die reiche prähistorische und historische Vergangenheit Visbeks hin. Zu den besonderen Funden, die zuletzt vor allem im Zuge der Sondierung des Baugebietes Uhlenkamp II das Tageslicht erblickten, gehören unter anderem ein neolithischer Hausgrundriss, ein sächsisches Gräberfeld mit zahlreichen Pferdebestattungen und ein mittelalterlicher Keller samt dazu gehörigem Wohnhaus. Viele Exponate sind weit verstreut eingelagert, zum Beispiel im Museumsdorf Cloppenburg, im Museum Natur und Mensch Oldenburg oder bei der Bezirksarchäologie in Oldenburg. Ein Großteil davon könnte in Visbek zusammengefasst dargestellt werden. Dabei wolle man „keine Textwüsten“ präsentieren, sondern die Exponate und Themen attraktiv darstellen. Wo möglich, sollen Mitmachaktionen angeboten werden.

„Die archäologischen Funde geben Kunde von der frühen Besiedlung der Region seit der Steinzeit und lassen eine Siedlungskontinuität bis direkt in die historische Zeit erkennen“, so Bollmann. Zu den Zielen der Ausstellung gehören nach ihren Worten die Schaffung einer „Visitenkarte“ des Ortes, eines attraktiven Bildungs- und Lernortes für Einheimische und touristische Gäste, eines außerschulischen Lernortes für Kinder und Jugendliche sowie einer Verbindung von archäologischer Ausstellung und der Arbeit des Visbeker Heimatvereins.

Dem habe die Gemeinde Visbek viel zu verdanken, betont Bürgermeister Meyer. Er sei froh, dass der Heimatverein im Haus Post an seinem dann schon sechsten Ort „endlich den Stellenwert bekommt, der ihm gebührt“. Auch wolle der Verein, der mehr als 1000 Mitglieder hat, das Informationszentrum begleiten und betreuen, Öffnungszeiten anbieten und auch mit den Schulen zusammen arbeiten. Er schätzt, dass der Heimatverein zum Jahreswechsel in die neuen Räume einziehen kann. „Mit dem Förderbescheid für das Informationszentrum und den abschließenden Beratungen im Rat kann es dann  an die Realisierung gehen“, so Meyer.

Er könnte sich auch vorstellen, dass künftig archäologisch-historisch relevante Orte „wie Satelliten um Visbek herum“ eingebunden werde, die zum Beispiel über einen (Rad-)Wanderweg erschlossen werden können, etwa das Baugebiet Uhlenkamp, die Vitus-Kirche (sakrale Funde), der mittelalterliche Keller am Sommerbrink oder alte Fachwerkhäuser.

Nach Bollmanns Ansicht dürfte dieses Engagement in verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen wie Rat, Verwaltung, Heimatverein und Kirche mit den Ausschlag gegeben haben für die in Aussicht gestellte Förderung des Informationszentrums. „Hier ist so viel Energie vorhanden“, unterstreicht sie vor allem das ehrenamtliche Engagement der Frauen und Männer im Heimatverein um den Vorsitzenden Manfred Gelhaus. Sie würde es begrüßen, wenn sich weitere Visbeker mit der AG Archäologie an der inhaltlichen Ausarbeitung der Ausstellung engagieren würden. Eine Vorbildung sei nicht erforderlich. Wichtig sei das Interesse an der Beschäftigung mit Archäologie und Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart.