Der richtige Mann am richtigen Ort

Familienbeauftragter Wolfgang Niehaus

Wolfgang Niehaus seit zehn Jahren Familienbeauftragter in Visbek

Als die Gemeinde Visbek am 1. Juni 2006 mit Wolfgang Niehaus erstmals einen Familienbeauftragten einstellte, habe sie „Neuland betreten“, erinnert sich Bürgermeister Gerd Meyer. Heute, zehn Jahre später, sei ihm die Gemeinde dankbar, denn „Niehaus ist ein Gewinn für Visbek“. Er lebe seinen Beruf mit Leidenschaft, die kreativen Ideen gingen ihm nie aus, und die positiven Rückmeldungen aus Familien, Schulen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen belegten, dass Wolfgang Niehaus „auch nach zehn Jahren immer noch der richtige Mann am richtigen Ort ist“. Mit dem Konzept der Familienförderung und den Angeboten für alle Altersgruppen und dem „Haus der Familie“ gehe er „sogar auf Tournee“. Niehaus sei ein Aushängeschild der Gemeinde Visbek, das immer mehr Nachahmer finde.
Niehaus gibt das Lob zurück an die Gemeinde. Seine Arbeit werde von der ganzen Verwaltung und den Gremien des Rates mit getragen. „Ich kann den administrativen Kram im Rathaus abgeben und mir kreative Gedanken machen“, versichert er. Er sehe sich nicht als Sachbearbeiter, sondern als Gestalter, dessen Arbeit in der Gemeinde wertgeschätzt werde. Dass er im Kollegenkreis mitunter als „Familienminister“ bezeichnet werde, nehme er als Kompliment. „Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß“, versichert er, und: „Ich habe noch nie einen Job mit so viel Bewegung gehabt!“.
Wolfgang Niehaus wurde in Visbek geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach einer kaufmännischen Ausbildung studierte er Betriebswirtschaft und danach an der Fachhochschule Vechta Sozialarbeit. Er sammelte berufliche Erfahrungen in der Wohnungslosenhilfe und der Schuldnerberatung und war Dozent am Institut für Therapieforschung in München. Die Stelle als „Sozialpädagogische Fachkraft als Familienbeauftragter“ in der Gemeinde Visbek war zunächst für zwei Jahre ausgeschrieben mit 20 Wochenstunden. Doch schon bei der Einstellung am 1. Juni 2006 wurde die Stundenzahl auf 30, ein halbes Jahr später bereits auf 40 Stunden erhöht.
Vor zehn Jahren sei es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegangen, erinnert sich Niehaus. Als Bindeglied zwischen Schulen, Kindergärten und Familien sei er vor allem Ansprechpartner für soziale Belange gewesen. „Mein Streben war und ist auch heute noch, bedarfsgerechte und Generationen übergreifende Angebote zu schaffen“. Den Anfang habe die Nachmittagsbetreuung gemacht. „Andere Kommunen setzen auf Ganztagsschulen“, sagt Niehaus. In Visbek gebe es für alle Grundschulkinder werktäglich von 13 bis 16 Uhr ein Angebot, bei dem Vereine und Ehrenamtliche mit eingebunden werden. Außerdem werde eine Betreuung für die Oster-, Sommer- und Herbstferien angeboten.
Von Anfang an hat er die Jugendarbeit in Visbek forciert. Nach der Teilnahme an einer Jugendwerkstatt in Damme wurde am 1. August 2007 am Corveyweg der Jugendtreff eingerichtet. Auch die Ausbildung von Jugendpflegern gehört zu Niehaus‘ Aufgaben.
Auch das seit 2008 entwickelte Konzept der Familienförderung in der Gemeinde Visbek „zeigt eindeutig seine Handschrift“, lobt Bürgermeister Meyer. Es gibt zum einen allgemeine Leistungen, die unabhängig sind von der Zahl der Kinder und der Höhe des Familieneinkommens. Dazu gehören die Übernahme der Kosten für die Benutzung der Büchereien in der Gemeinde Visbek, Zuschüsse für Ausflugsfahrten von Schulen oder Sportvereinen, die Übernahme von Kosten für Sprachkurse und das Begrüßungspaket, das Niehaus bei der Geburt eines Kindes überreicht. Bisher sei das 645 Mal der Fall gewesen, freut sich der Familienbeauftragte. Bei den unangemeldeten Besuchen informiere er die Eltern über die Angebote der Gemeinde.
Nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt sind Förderungen für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr oder ältere Kinder, die sich noch in der Schulausbildung befinden. Gefördert werden Schulausstattungen, Kosten für Kindergärten, Krippen und Tagesmütter, die Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen, Nachhilfe, Ferienpassaktionen, Sprachförderung, Schulausflüge, Fahrten zu überörtlichen Schulen, Teilnahme an Kindererholungskuren, die Mitgliedschaft in Visbeker Vereinen, Kosten für die Kreismusikschule sowie Elternkurse.
Für kinderreiche Familien gibt es – einkommensunabhängig – eine Förderung für das dritte und jedes weitere Kind für Kindergärten, Krippen und Tagesmütter, eine Befreiung von den Kosten der Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen, Zuschüsse für Ferienpassaktionen, Schulausflüge und Tagesfahrten, Nachhilfe, Kindererholungskuren und für die Fahrtkosten zu auswärtigen Schulen.
Um das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach zu fördern, bezuschusst die Gemeinde die Errichtung einer Einliegerwohnung bei einem Neubau oder durch einen Umbau, wenn Eltern oder Großeltern dort wohnen. Die Förderung beträgt bis zu 1000 Euro jährlich für zehn Jahre. Dieser Mehrgenerationenzuschuss ist bisher 51 Mal bewilligt worden. 
Schnelle und unbürokratische Hilfe bietet der von Spendengeldern gefüllte Fonds „Familie in Not“. Er springt immer dann ein, wenn eine Familie unverschuldet in Not geraten ist und es keine gesetzliche Hilfemöglichkeit gibt. Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Familienförderung rund 200.000 Euro bereit gestellt. „Das zeigt, dass die heimische Wirtschaft die Familienförderung begrüßt“, weiß der Bürgermeister. Häufig werde bei Personalgesprächen mit künftigen Mitarbeitern die Infobroschüre zur Familienförderung der Gemeinde ausgehändigt. „Unser Angebot leistet somit auch einen Beitrag dazu, dass Visbek nicht nur als Arbeitsort, sondern auch als Wohnort attraktiv ist“, so Meyer.
Seit die Gemeinde 2008 das „Haus der Familie“ am Klosterplatz angemietet hat, hat Wolfgang Niehaus dort sein Büro. Im „Haus der Familie“ finden Schwangeren-, Rückbildungs- und Elternkurse statt, dort treffen sich die Tagesmütter, außerdem bieten die Flüchtlingshilfe, der Sozialdienst VdK und die Initiative „Focus Mensch“ dort Sprechstunden an. Einige Vereine nutzen das Haus für Übungsabende und Besprechungen. Mit niederschwelligen Sprachkursen wird die Integration ausländischer Frauen gefördert. Neben der Sprachförderung werden den teilnehmenden Frauen auch Informationen geboten, „wie Visbek funktioniert“ und wo es weitere Hilfsangebote gibt.
Seit 2011 das „Bildungs- und Teilhabepaket“ als Gesetz erlassen wurde, wird Wolfgang Niehaus im Familienbüro von Galina Klaut unterstützt. Sie bearbeitet vorrangig die Anträge zur Familienförderung sowie die Anträge zum „Bildungs- und Teilhabepaket“. Darüber hinaus ist seit einigen Monaten Gudrun Hohnhorst als Ansprechpartnerin für Flüchtlinge und Asylbewerber/-innen im „Haus der Familie“ beschäftigt. Hier koordiniert sie gemeinsam mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Visbek alle anfallenden Aufgaben. Außerdem hält das Familienbüro vielfältiges Informationsmaterial bereit, und zwar in deutscher, rumänischer, bulgarischer, litauischer, polnischer und arabischer Sprache. Damit reagiert die Gemeinde auf die Freizügigkeit von Arbeitskräften innerhalb der Europäischen Union und auf die Flüchtlingssituation.
Seit 2009 ist eine Außenstelle der Lohner Tafel im „Haus der Familie“ untergebracht. „Allein hier sind über 50 ehrenamtliche Personen im Einsatz“, freut sich Niehaus. Weitere 15 Personen unterstützen das Familienbüro im Rahmen der Nachmittagsbetreuung, hinzu kommen Männer und Frauen in der Initiative „Focus Mensch“ und Schülerinnen und Schüler, die Nachhilfe für Grundschüler geben. Insgesamt seien rund 80 Ehrenamtliche für das Familienbüro tätig, so Niehaus. „Dieses große ehrenamtliche Engagement ist eine Folge des unermüdlichen Einsatzes unseres Familienbeauftragten“, versichert Bürgermeister Meyer. An Niehaus schätze er auch, dass dieser sich nie auf dem Erreichten ausruhe, sondern stets neue Konzepte entwickle, um auch auf veränderte Bedingungen zu reagieren wie zum Beispiel die Flüchtlingshilfe.
Im Jahr 2014 wurde das Nähcafé als Begegnungsstätte der Gemeinde Visbek Am Klosterplatz eröffnet. „Hier treffen sich regelmäßig Bürgerinnen und Bürger, auch ausländischer Herkunft, um beim gemeinsamen Nähen die vorab erworbenen Deutsch-Kenntnisse zu vertiefen“, erläutert der Familienbeauftragte.
Stolz ist Niehaus, dass die gemeinschaftliche Initiative der Katholischen und Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Visbek, des örtlichen Malteser Hilfsdienstes und der Gemeinde Visbek „Focus Mensch – Von Visbekern für Visbeker“ vom Landecaritasverband Oldenburg im Jahre 2012 für das „herausragende ehrenamtliche soziale Engagement“ ausgezeichnet wurde. Und auch an Hochschulen sind die Integrationsbestrebungen im Rahmen der Familienförderung und mit dem „Haus der Familie“ offenbar bekannt und anerkannt. 2014 hat die Visbekerin Antonia Niemöller an der Universität Osnabrück ihre Bachelor-Arbeit zum Thema „Integrationsbemühungen in Visbek unter Berücksichtigung des demografischen Wandels“ geschrieben.