Vierter Tag der Archäologie in Visbek ein voller Erfolg am 15.11.2015

Tag der Archäologie

Das herbstliche Regenwetter hielt zahlreiche Besucher von nah und fern nicht davon ab, den vierten Tag der Archäologie in Visbek, diesmal im Landgasthof Engelmannsbäke, zu besuchen. In einem vollen Vortragssaal stimmte Bürgermeister Gerd Meyer auf den Nachmittag ein und verwies aufgrund der Großsteingräber in unmittelbarer Nachbarschaft auf den vielleicht "geschichtsträchtigsten Ort" in der Gemeinde Visbek.
Als auch Manfred Gelhaus, Vorsitzender des Heimatvereins, das Publikum begrüßt hatte, begann Michael Wesemann, Nieders. Landesamt für Denkmalpflege (NLD), Oldenburg, von den Ausgrabungen in Visbek Stüvenmühle zu berichten. Dem Kenner nordwestdeutscher Siedlungsarchäologie ist dieses Projekt inzwischen zu einer Herzensangelegenheit geworden. Seit 2005 untersucht er den Fundplatz unweit von Endel. Unzählige Hausgrundrisse, ob von Langhäusern, Scheunen oder Grubenhäusern, hat er bisher schon ausfindig machen können. Die Fundstelle zeigt exemplarisch die Hausentwicklung der Region im frühen und hohen Mittelalter. Einen besonderen Grundriss konnte er in diesem Jahr vervollständigen. Es handelt sich um einen Steinkeller, in dem er neben zahlreichen Keramikscherben und Gefäßen auch Stücke eines Mayener Basaltmahlsteines bergen konnte. Welche der vielen Pfostengruben im Umfeld zu dem Keller gehören, möchte er gern im nächsten Jahr erkunden.
Die Dokumentation der Fundstelle wurde 2015 durch 3D-Laserscans bereichert. Volker Platen von der Grabungsfirma denkmal3D aus Vechta stellte diese dem Publikum anschaulich vor und verwies auf die enorme Genauigkeit dieser Messmethode. Im Anschluss berichtete Dr. des. Ulrich Lehmann, Altertumskommission für Westfalen, Münster, von den Ergebnissen seiner Dissertation. Dabei erforschte er frühmittelalterliche Schwerter in Westfalen und zeigte anhand computertomografischer Untersuchungen, welche vielfältigen Informationen in den Klingen stecken. Ob die beiden Saxe vom Visbeker Uhlenkamp dabei womöglich einer lokalen Schmiedetradition, womöglich sogar einem bestimmten Werkstattkreis angehören, bleibt zukünftigen Forschungen vorbehalten.
Thematisch fügte sich der anschließende Vortrag von Friedrich-Wilhelm Wulf M. A., NLD, Hannover, und Dr. Robert Lehmann nahtlos an. Sie berichteten von einem Schwert mit der Aufschrift "VLFBERHT", das 2012 durch Zufall bei Großenwieden in der Weser gefunden worden ist. Neben einer stilistischen Einordnung lieferten die Materialanalysen auch Hinweise auf die Herkunft des verwendeten Metalls. Den qualitätsvollen und anschaulichen Vortragsnachmittag beschloss Ulrich Haarlammert, indem er Visualisierungsmöglichkeiten in der Archäologie aufzeigte. Seine vorgeführten Beispiele waren vor allem für den Heimatverein interessant, der in naher Zukunft ein Ausstellungszentrum in Visbek eröffnen möchte.

Sehen Sie in der Galerie einige Bilder der Veranstaltung.