Beim dritten „Tag der Archäologie“ beteiligt:„Altsachsen aus Visbek im Lerigau“

Gruppenbild beim 3. Tag der Archäologie im Saal Hogeback in Erlte
Text und Bild von Bernd Koopmeiners

-Die Gruppe „Scotelingo“ zeigte, wie das Leben im Frühmittelalter ausgesehen haben könnte-

Die Fakten sprechen für Visbek: in der Jungsteinzeit, noch bevor in Ägypten die erste Pyramide (um 2360 v. Chr.) gebaut wurde, haben hier nachweisbar schon Menschen mit der „Trichterbecherkultur“ gelebt. Die Gemeinde Visbek und der Heimatverein veranstalteten am Sonntagnachmittag, 16. November 2014, ihren dritten „Tag der Archäologie“. Dabei standen erneut die Ausgrabungen eines frühmittelalterlichen Friedhofs in „Visbek-Uhlenkamp II“ im Mittelpunkt.
Bürgermeister Gerd Meyer begrüßte im Saal Hogeback in Erlte ein „volles Haus“ und namentlich mehrere offizielle Gäste aus nah und fern sowie die Vortragenden: Dipl.-Ing. Daniela Behrens (Vechta), Dipl.-Restauratorin Christiane Matz (Kalkriese), Kathrin Homann M.A. (Nordstemmen), Andreas Hummel M.A. (denkmal3D), Lars H. Lüppes (Bad Münder), Ulrich Klages und Jürgen Heinrichs, beide „Scotelingo“ (Nordstemmen). Manfred Gelhaus, Vorsitzender des Heimatvereins Visbek, führte durch das Programm.
Das Team Behrens / Hummel von „denkmal3D“ informierte über „Das sächsische Gräberfeld auf dem Visbeker Uhlenkamp II“. Die Archäologen dokumentierten bei Ausgrabungen von 2010 bis 2012 auf der 7,3 Hektar großen Fläche über 2000 Befunde. Zu den entdeckten Funden (aus der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit) gehören 180 Körperbestattungen, zahlreiche Pferdegräber sowie drei wertvolle karolingische Münzen, zwei „Saxe“ (Schwerter), Messer, Reitersporen und verzierte Glasperlen.
Christiane Matz übernahm das Thema „Vom Fund zur Ausstellung“. Als Beispiel hatte sie eine „Gipsblockbergung“ vom Uhlenkamp ausgewählt. Die Restauratorin schilderte die Arbeitsschritte in ihrer Werkstatt in Kalkriese. Nach einer vorläufigen Auswertung wurden in Münster zunächst Röntgenbilder vom Fundobjekt angefertigt, bevor sie das „Visbeker Sax“ (ein Schwert) „freilegen“ und restaurieren konnte. Die Teilnehmer erfuhren auch, dass sie bei den Visbeker Funden Textil- und Lederreste und Teile eines Holzgriffs fand. Da dieser Fund nur fragmentarisch erhalten ist, wäre für eine Ausstellung auch eine Rekonstruktion sinnvoll.
Lars H. Lüppes („Hakun Risti“) kam als „Mann mit dem Schwert“ in den Saal. Er erläuterte in seinem Vortrag Kurz-Sax, Breit-Sax, Schmal-Sax und Lang-Sax sowie Details beim Material einschließlich der Griffe aus Buche oder Esche. Er fertigt in Bad Münder Schwerter nach den archäologischen Funden oder aus der frühmittelalterlichen Ritterzeit nach historisch belegten Angaben an.
Die Geschichtsdarsteller „Scotelingo“ präsentierten mit ihrer mobilen Ausstellung im Saal das Thema „Die Altsachsen im Lerigau (Visbek)“. Ulrich Klages vermittelte in seinem Vortrag mit anschaulichem Bildmaterial Einzelheiten über die Siedlungsformen bei den Altsachsen, das damalige Hausinnere und Mobiliar, über die Bekleidung und Arbeitsmittel. Klages als „Friling“ (Freier) mit Kathrin Homann (der Frau) und Jürgen Heinrichs als „Servus“ (Knecht) zeigten eindrucksvoll, wie „Visbeker“ im frühen Mittelalter ausgesehen haben könnten. Der dritte „Tag der Archäologie“ in Visbek war erneut ein voller Erfolg.

Sehen Sie in der Galerie einige Bilder des Nachmittags.