2. Tag der Archäologie in Visbek vermittelte neue Erkenntnisse über die Steinzeit 17.11.2013

archäologische Funde aus der Gemeinde Visbek

- Sieben Fachreferenten informierten über 100 Interessierte über „Uhlenkamp“-Funde -

Die Gemeinde Visbek hat in Kooperation mit dem Heimatverein sowie mit „denkmal 3D“ aus Vechta und dem Niedersächsischen Institut historischer Küstenforschung (NIhK) aus Wilhelmshaven den 2. Tag der Archäologie bei Hogeback in Erlte veranstaltet. Sieben Experten referierten unter dem Motto: „Visbek und die Wildeshauser Geest in der Steinzeit“. Bürgermeister Gerd Meyer begrüßte bei Kaffee und Kuchen über 100 Personen; namentlich die Referenten und Landrat Albert Focke. Heimatvereinsvorsitzender Manfred Gelhaus führte durch das facettenreiche Vortragsprogramm.
Prof. Dr. Hauke Jöns (NIhK) vermittelte Forschungsergebnisse über „Norddeutschland in der Steinzeit“. Dr. Annette Kramer (NIhK) erläuterte die „Entwicklung von Klima und Vegetation in Nordwestdeutschland“. Dr. Svea Mahlstedt aus Wildeshausen präsentierte „Das Mesolithikum auf der Wildeshauser Geest“.
Dipl. Prähistoriker Moritz Mennenga (NIhK) fand eine aufmerksame Zuhörerschaft für sein Thema: „Die steinzeitliche Siedlung Visbek-Uhlenkamp und ihre Bedeutung für die überregionale Forschung“. Er möchte mit seiner Arbeit an der Universität in Kiel dissertieren. Mennenga hat die Funde der Grabungsfläche Uhlenkamp ausgewertet und dort vier Epochen festgestellt. Gräber, Keramikgefäße und Feuersteinartefakte der „Trichterbecherkultur“ in Verbindung mit Spuren einer Siedlung dokumentieren, dass in Visbek um 3.200 und 3.100 v. Chr. schon Menschen gelebt haben. Hier wurden Hausgrundrisse aus der Jungsteinzeit von etwa 7 x 19 m, eingeteilt in drei Räume, freigelegt. Neben den „Megalithgräbern“ (ebenfalls in der Gemeinde Visbek) erwähnte der Prähistoriker hier entdeckte „Flachgräber“ (wie um 1970 in Hogenbögen). Der Experte betonte: „mit dem ersten Siedlungsnachweis in Visbek wurde eine Lücke zwischen Weser und Ems geschlossen“.
Von Dr. Katrin Struckmeyer (NIhK) wurden „Mikroskopische Untersuchungen an steinzeitlichen Keramikfunden vom Uhlenkamp im Vergleich“ vorgestellt. Die Wissenschaftlerin schilderte Arbeitsschritte zur Herstellung von Keramik: Magerung des Tons, Formen, Trocknen und Brennen sowie diverse Untersuchungsmethoden. Beim Vergleich von Visbeker Funden in „Stippers Höhe“, „Pastors Kamp“ und „Mühlenhöhe“ (Varnhorn), Hogenbögen und vom Uhlenkamp entdeckte sie Übereinstimmungen wie gleiche Tone, Granitspuren oder Verzierungen. Ihr Fazit: „Die Keramik von Visbek verdeutlicht Unterschiede im Vergleich mit der Töpferkultur im Elbe-Weser-Dreieck: Flögeln, Pennigbüttel.“
Andreas Hummel (denkmal 3D) aus Vechta informierte über den „Stand der Aufarbeitung und Auswertung der Grabungen am Uhlenkamp und weitere archäologische Perspektiven“: Er möchte die Ergebnisse gern für ein Projekt an der Uni Münster auswerten. Hummel bewertete den Uhlenkamp als bedeutenden Fundplatz mit 180 Körperbestattungen; davon 85 christlichen; 133 Bestattungen auf Scheiterhaufen; Pferdegräbern, einem Reitergrab, Beigaben wie: einschneidiges Schwert („Sax“), Reitersporn, Gürtelschnallen und Perlenkette. Volker Platen (denkmal 3D) demonstrierte das „Laserscan-Messverfahren“ bei archäologischen Dokumentationen. Der 2. Tag der Archäologie in Visbek endete mit Dankesworten und einem Präsent für die Referenten.

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