Visbek entdeckt seine (Vor-)Geschichte

Haus Post an der Rechterfelder Straße

Gemeinde plant im „Haus Post“ Ausstellung zu archäologischen Funden

Visbek ist „steinreich“. Allerdings ist damit weniger die finanzielle Situation der Gemeinde mit einem nahezu schuldenfreien Haushalt gemeint, sondern die Feststellung spielt eher an auf die Spuren der frühzeitlichen Besiedlung der Region „fiscbechi“. Die markantesten davon sind sicherlich die Großsteingräber „Heidenopfertisch“ bei Engelmannsbäke sowie „Visbeker Braut und Bräutigam“, wobei die letztgenannten allerdings nicht direkt auf dem Gebiet der Gemeinde Visbek liegen. Viele kleinere Funde werden seit Jahrzehnten im Foyer des Rathauses in einer Vitrine gezeigt.
In der jüngsten Vergangenheit sind bei Erdarbeiten – im Wesentlichen beim Sandabbau und bei der Erschließung von neuen Baugebieten – zahlreiche archäologische Funde zutage getreten, zuletzt vor allem im Baugebiet Uhlenkamp II in den Jahren 2011 und 2012. Diese Spuren belegen eine Siedlungs- und Bestattungstätigkeit in diesem Gebiet seit der Jungsteinzeit. Die Fundstücke werden zurzeit an verschiedenen Orten aufbewahrt, einige befinden sich zur Restaurierung in Kalkriese, die Knochenfunde werden in Braunschweig untersucht.
Für die Grabungen sowie die anschließende Restaurierung der Funde hat die Gemeinde Visbek erhebliche Summen ausgeben müssen. Diese Investitionen und das große Interesse der Visbeker Bevölkerung an den Ausgrabungen führten zu Überlegungen, die Funde und Ergebnisse in einer kleinen archäologischen Ausstellung öffentlich zu präsentieren. Mit der Einrichtung dieser Ausstellung soll zugleich das zum Teil leer stehende „Haus Post“ an der Rechterfelder Straße belebt werden. Mittelfristig soll auch der Heimatverein, der derzeit noch in angemieteten Räumen im Haus der OLB untergebracht ist, in das „Haus Post“ umziehen.
Im Auftrag der Gemeinde hat die Museumsberaterin Dr. Beate Bollmann ein Gutachten zur Realisierbarkeit einer Ausstellung zu den archäologischen Funden aus der Gemeinde Visbek erstellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass die durch viele Funde dokumentierte prähistorische Vergangenheit der Gemeinde Visbek, die außergewöhnlichen Ergebnisse der Grabungen im Uhlenkamp und das große öffentliche Interesse eine öffentliche Präsentation des Themas rechtfertigen. Die Arbeit und der Erkenntnisgewinn der archäologischen und historischen Forschung sollen im Mittelpunkt dieser Ausstellung unter dem Motto „Ein Ort entdeckt seine (Vor-)Geschichte“ stehen.
Aus fachwissenschaftlicher Sicht ist neben den neolithischen Funden aus der Trichterbecherkultur um 3000 v.Chr. vor allem das sächsische-frühmittelalterliche Gräberfeld von Visbek-Uhlenkamp von großem Interesse. Es sticht durch seine fast vollständige Erfassung und seine Belegungszeit hervor, die bis ins frühe 9. Jahrhundert hineinreicht. Es fällt also genau in den Zeitraum der Christianisierung und ist wichtiger Zeuge für die Geschichte des Ortes Visbek. Es stammt aus einer Zeit, als Abt Gerbert Castus in Visbek eine Missionszelle gründete, die für ein halbes Jahrhundert zu einem regionalen Missionszentrum des Christentums im Lerigau werden sollte. Mit der Ausgrabung von Visbek-Uhlenkamp geht die Vor- und Frühgeschichte der Region also unmittelbar in die Geschichte des Ortes Visbek über.

Gutachten zur Realisierbarkeit einer Ausstellung von Frau Dr. Bollmann